Warum muss man eigentlich erst krank werden, bevor man sich Gedanken über sich selbst und seine Gesundheit macht? Ich komme gerade von meinem Heilpraktiker und jedes mal lese ich dieses Zitat im Wartezimmer:

„Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird eines Tages Zeit haben müssen, krank zu sein“
(Sebastian Kneipp)

Leider ist das auch bei mir der Fall. Viel zu spät habe ich erkannt, dass bei mir sehr viel schief läuft. Seit einem Jahr kämpfe ich jetzt, aber eigentlich hat mein Krieg schon vor vielen Jahren angefangen. Aus dem Grund habe ich auch diesen Blog gestartet. Ich will Euch hier in der Kategorie #recovery meine Geschichte erzählen, wie alles angefangen hat und wo ich jetzt stehe. Meine Erinnerungen aufschreiben, aber auch über Fortschritte berichten. Für die Kategorie gibt es keinen Fahrplan, ich schreibe hier einfach „aus dem Bauch heraus“ und wer weiß, vielleicht hilft es ja auch anderen weiter. Das würde ich mir wünschen!!

Angefangen hat, jetzt im Nachhinein betrachtet, alles eigentlich schon vor knapp 10 Jahren. Die Ärzte sind mit tollen Präparaten auf mich los, haben mir die verschiedensten Anti-Babypillen verschrieben und die schönsten Versprechungen gemacht. Schöne Haut sollte man bekommen, kein Frauenleiden mehr und gute Laune aus der Packung ist praktisch garantiert. Das beeindruckt ein junges Mädchen natürlich erstmal, also habe ich die kleine Wunderpille fleißig geschluckt. Der gewünschte Effekt ist leider bei keinem der ständig wechselnden Wirkstoffen eingetroffen und als ich langsam angefangen habe, die Glaubwürdigkeit meiner Ärztin in Frage zu stellen, mussten noch stärkere Geschütze ausgepackt werden. Also hat man mir die Bella Hexal für die Haut verordnet, für die kommenden 2 Jahre – ohne Pause!
Gesundheitlich ging es von da ab verständlicherweise rasant bergab. Ich war ständig krank und der Satz „Irgendwie bin ich nicht so leistungsfähig wie andere in meinem Alter“ klingelt mir immer noch im Ohr. 2007 bekam ich dann Pfeiffersches Drüsenfieber, 2011 eine Histaminintoleranz, die mit Herzproblemen, schlimmen Panikattacken und einer richtigen Angststörung begleitet wurde. Arbeitsunfähigkeit war die Folge, ich baute mir ein eigenes Schneckenhaus und beendete konsequent alle sozialen Kontakte. 2012 legte ich dann mit einer Borreliose nach und bekam 2013 meinen ersten allergischen Schock auf Penicillin, woraufhin 8 weitere Aufenthalte in der Notaufnahme, verschuldet durch einen Bienenstich und verschiedene Nahrungsmittel, Ende 2014 folgten.
Die ganzen Antibiotika, Kortisongaben, Impfungen und starken Medikamente, die von den Ärzten noch zusätzlich verordnet wurden, um den Körper zufrieden zu stellen, habe ich bei der ganzen Sache noch nicht erwähnt. Einer war sogar so lustig und hat bei einer starken allergischen Reaktion Antibiotikum verschrieben. Für was das schlußendlich gut gewesen sein soll…?
Das ist schon mal ein erster kleiner Einblick in meine Karriere als „nicht ganz gesund, aber auch nicht krank genug, um ernst genommen zu werden“. Meinen Zustand würde ich allgemein als eher schleichend und unterschwellig brodelnd bezeichnen. Ein gebrochenes Bein in einem sichtbaren Gips wäre mir lieber, das würde mir wahrscheinlich wesentlich weniger Probleme und sehr viel mehr Verständnis von meinem Umfeld bringen…

Als ich letztes Jahr dann 8 mal in der Notaufnahme gelandet bin, war ein normales Leben nicht mehr möglich. Gerüche haben mich sehr belastet, ohne eine Maske konnte ich nicht mehr in die Natur, was mit Pferd und Hund eine Katastrophe war. Nahrungsmittel habe ich mir am liebsten nur aus der Ferne angeschaut, denn es konnte alles richtig, aber auch alles falsch sein. Jeder Bissen war ein Risiko, Antihistaminika, Kortison, Sprays und diverse Notfallmedikamente standen immer parat, sollte es mir wieder die Luft abdrücken, wäre zumindest der Weg bis ins Krankenhaus angenehmer. Die Angst wurde immer größer, die Untersuchungen und Testreihen von sämtlichen Fachärzten brachten keine zufriedenstellenden Ergebnisse und mein behandelnder Hausarzt hat mir schlussendlich kurz vor Weihnachten mit verschränkten Armen und resigniertem Gesichtsausdruck gegenüber gesessen, Vitamintabletten in die Hand gedrückt und viel Glück gewünscht. Ich soll doch erstmal bei meinem in Wasser gekochtem Kaisergemüse bleiben und nichts provozieren, er wüsste sich leider momentan auch keinen Rat mehr.
Wie man sich fühlt, wenn man mit diesen Worten von einer Fachkompetenz aus einer Praxis geschickt wird, kann ich schlecht in Worte fassen. Das Unberechenbare hat mich fast erdrückt, die Angst ist ins unermessliche angestiegen und das letzte bisschen Vertrauen in die Schulmedizin hatte ich spätestens zu diesem Zeitpunkt völlig verloren.
Schnell wurde mir bewusst, dass ich keine andere Wahl hatte, als mir selbst zu helfen. Ich habe mich tage- und nächtelang durch Bücher und das Internet gelesen, gegen die Zeit angekämpft, Rückschläge erlebt und Verbesserungen beobachtet. Mein eigener Körper war mir dabei immer der beste Lehrer.
Nach einem Skiurlaub Ende 2014, bin ich mit Lebensmut und Kraft ins neue Jahr gestartet. Klangschalenmassagen, die kalte Luft auf den Bergen für meine Lungen und Ruhe für die Seele haben mir die Energie gegeben, die ich für einen neuen Anlauf gebraucht habe. Nicht aufgeben, das war mein Ziel. Also war es nur eine logische Schlussfolgerung, dass ich mich keine 4 Wochen später bei einem alten Freund von meinem Opa im Boxraum wiedergefunden habe :). Unbedingt wollte ich die Handschuhe anziehen und in seine Fußstapfen treten. Das mache ich auch heute noch – mindestens 3 mal in der Woche. Eins kann ich Euch sagen: Das war das Beste, was mir passieren konnte – denn Boxer geben nicht auf….

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